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Von der Kaserne zum Holzquartier
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Von der Kaserne zum Holzquartier

Das Franklin Village in Mannheim hat den Deutschen Architekturpreis gewonnen. Das Wohnbauprojekt in Holzbauweise von Sauerbruch Hutton ist ein Modell für die Zukunft, das Nähe schafft – zu den Mitbewohnern und zur Natur.

Benannt nach einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, diente das Franklin Village in Mannheim fast 70 Jahre lang als Wohnsiedlung für Offiziere der US-Armee. Mit einer Fläche von rund 144 Hektar – so groß wie die Mannheimer Innenstadt – war es eines der größten Wohngebiete der in Europa stationierten US-Streitkräfte. Seit dem endgültigen Abzug der Truppen 2015 begann das, was Stadtplaner als Konversion bezeichnen: die Umwandlung einer ehemals militärisch genutzten Fläche in lebendige, neue Stadtteile. Wo einst die repetitive Gleichförmigkeit der standardisierten Wohnblöcke das Stadtbild prägte, wächst heute ein komplexer, städtischer Organismus heran. Zwischen alten Bestandsgebäuden und vielfältigen Neubauten macht sich eine neue urbane Identität breit. Das Mannheimer Stadtquartier Franklin bietet an die 10.000 Menschen Platz und beschreibt die Verwandlung von der Kaserne zum Kiez.

Franklin Village, Sauerbruch Hutton, Holzbau, Konversion, Stadtentwicklung
Wo sich einst das größte Wohngebiet der US-Streitkräfte befand, ist ein neuer Stadtteil herangewachsen.

Ein Projekt dieser Transformation sorgte weit über die Stadtgrenzen hinaus für Resonanz: das Franklin Village. Entworfen vom Berliner Büro Sauerbruch Hutton, gilt es als Wohnbaumodell für die Stadtgesellschaft der Zukunft. Dass es dafür mit dem Deutschen Architekturpreis 2025 ausgezeichnet wurde, zeigt die konsequente Umsetzung dieses Vorzeigeprojekts.

Nachverdichtung in Holzbauweise

Den Weg in die Zukunft des einstigen Militärareals weist ein nachwachsender Rohstoff. Franklin Village ist eine Hommage an den modernen Holzbau und das respektvolle Bauen im Bestand. Vier Neubauten und ein in Holz aufgestocktes Bestandsgebäude bilden ein Ensemble, das eine fast spielerische Leichtigkeit versprüht. 

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Vier Neubauten und ein in Holz aufgestocktes Bestandsgebäude bilden ein Ensemble, das eine fast spielerische Leichtigkeit versprüht. 

Bei der Konstruktion setzt Sauerbruch Hutton auf eine Holzrahmenbauweise in Kombination mit Holz-Beton-Verbunddecken. 
Das ist zum einen der ökologischen Verantwortung geschuldet.

Holz scheint beim Bauen das Material der Stunde zu sein.

Matthias Sauerbruch, Architekt und Stadtplaner

Denn kein anderer Baustoff verspricht aktuell eine bessere Ökobilanz. „Holz scheint beim Bauen das Material der Stunde zu sein“, schreibt Architekt und Städteplaner Matthias Sauerbruch in einem Essay. „Während das 20. Jahrhundert vielleicht als das Jahrhundert des Betons bezeichnet werden kann, ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts weltweit eine Renaissance des natürlichen Baustoffes Holz zu beobachten.“

Flexibles und durchmischtes Wohnen

Dieser hybride Konstruktionsansatz hat nicht nur einen ökologischen Hintergrund, er hält auch die Flächen flexibel. „Das Achsraster der Holzrahmenkonstruktion bildet eine konstruktive Grundlage, die auf einfache Weise eine hohe Grundrissvariabilität ermöglicht“, heißt es vonseiten des Architekturbüros.

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Inklusives Wohnen im Holzbau: Das Franklin Village setzt auf eine gute soziale Durchmischung.

Auf diese Weise können die Räume auf die sich wandelnden Bedürfnisse ihrer Bewohner reagieren. Ein entscheidender Faktor in einer Zeit, in der Lebensentwürfe immer seltener in starre Raster passen. Die Vielfalt der Wohntypologien reicht von Cluster-Wohngemeinschaften über klassische Familienwohnungen bis hin zum Single-Apartment. Das Ziel war, eine gute soziale Durchmischung sicherzustellen. 

Diese Vielfalt spiegelt sich in den farbigen Trennwänden der Laubengänge wider, die einen Kontrast zur grau lasierten Holzfassade bilden. Der Farbwechsel bildet die dahinterliegenden Wohnungstypen ab und ist zugleich ein visuelles Versprechen: Hier ist Platz für jeden.

Laubengänge sind die neuen Balkone

Diese außenliegende Erschließung über offene Laubengänge findet im zeitgenössischen Wohnbau wieder häufiger ihren Ausdruck. 

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Private Balkone gibt es zum Stadtraum hin, während im Innenhof die gemeinschaftlichen Außenflächen dominieren.

Die gemeinschaftlichen Terrassen und Verbindungswege verlängern den jeweiligen Wohnbereich nach außen. Im Gegensatz zu privaten Balkonen haben diese aber den entscheidenden Mehrwert, dass sie Begegnungen der Nachbarn untereinander fördern. 

Solche gemeinschaftlich genutzten Flächen sind Herzstück und Katalysator einer Kultur solidarischen Zusammenlebens im Quartier.

Sauerbruch Hutton, Architekturbüro

Dasselbe gilt für den geschützten Innenhof, um den sich die Gebäude gruppieren. Statt die Grünflächen in private Einheiten zu filetieren, hat man ein grünes Wohnzimmer für alle geschaffen. Einen weiteren Meilenstein der inklusiven Architektur bildet das Quartiersforum. Mit Lounge, Co-Working-Spaces, Werkstätten und einer Dachterrasse bietet es jenen erweiterten Wohnraum, der eine moderne Stadtgesellschaft davor bewahrt, in der Anonymität zu versinken. „Solche gemeinschaftlich genutzten Flächen sind Herzstück und Katalysator einer Kultur solidarischen Zusammenlebens im Quartier“, formulieren es die Architekten.

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Das Franklin Village wurde mit dem Deutschen Architekturpreis 2025 ausgezeichnet.

Inklusion wird groß geschrieben

Wie die Jury des Deutschen Architekturpreises hervorhob, ist es Sauerbruch Hutton gelungen, ein „Leuchtturmprojekt im urbanen Raum“ zu realisieren, das beispielhaft für gelungene Nachverdichtung und durchmischtes Wohnen steht. Hier wird Inklusion groß geschrieben und zur gestalterischen Qualität, die den gesamten Stadtteil bereichert.

Es ist dieses Zusammenspiel aus technischer Innovation, sozialem Feingefühl und ökologischem Verantwortungsbewusstsein, das im Franklin Village vereint ist. In einer Welt, die allzu gern am längst überholten Status Quo festhält, geht man in Mannheim einen Schritt voraus: hin zu einer Architektur, die das Erbe achtet, die Natur als Partner begreift und den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt.

Text: Gertraud Gerst
Fotos: Jan Bitter

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