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Schrumpfendes Angebot treibt die Preise hoch
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Schrumpfendes Angebot treibt die Preise hoch

Hohe Zinsen, Rekordinflation und eine schwache Konjunktur haben zu einem massiven Rückgang im Wohnungsbau geführt. Während die Baukräne vielerorts stillstehen, steigen Preise und Mieten auch in diesem Jahr weiter an. Warum Experten jetzt zum Kauf raten.

Seit der Pandemie sind die Kosten für Baumaterialien und Handwerkerleistungen sowie die Personalkosten enorm gestiegen, was die Schaffung von Wohnraum deutlich teurer macht. Viele Wohnbauunternehmen haben aus diesem Grund ihre Neubauprojekte im Jahr 2024 und 2025 auf Eis gelegt. 

„Nach Jahren mit hoher Inflation, hohen Kreditzinsen und Wirtschaftsflaute wird in Österreich zu wenig gebaut. Die Folge sind Wohnungsmieten, die noch stärker gestiegen sind als die allgemeine Inflation“, fasste Armin Wolf die Entwicklung zuletzt in der „ZIB 2“ zusammen. Auch die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser werden Prognosen zufolge wieder steigen.

Historischer Tiefstand bei Baubewilligungen

Die Ursache für den enormen Preisdruck liegt vor allem in der Verknappung des Angebots. Thomas G. Winkler, CEO der UBM Development AG, spricht in diesem Zusammenhang von einem „Naturgesetz“: „Weniger Angebot bei gleicher oder gar steigender Nachfrage führt zu höheren Preisen.“

Thomas G. Winkler, CEO UBM Development
Thomas G. Winkler, CEO von UBM Development, warnt vor steigenden Preisen beim Wohnungskauf.

Auch vonseiten der Bauindustrie kommen deutliche Signale, vor allem im Bereich Ein- und Zweifamilienhäuser sei die Bautätigkeit eingebrochen. „Die Grundstückspreise sind zu hoch, die Baukosten sind nicht gesunken, und die Banken stehen auf der Bremse“, verdeutlicht Karl-Heinz Strauss, CEO des Baukonzerns PORR, die Lage in der „ZIB 2“.

Österreichweit ist die Zahl der Baubewilligungen auf einen historischen Tiefstand gesunken. Im Jahr 2024 wurden bundesweit nur noch rund 32.100 Wohnungen bewilligt – das ist ein Rückgang von 37 Prozent im Vergleich zu 2014. Ein Trend, der sich ersten Berichten zufolge auch im Jahr 2025 fortgesetzt hat. Besonders drastisch stellt sich die Lage ausgerechnet in Wien dar, wo ab heuer, 2026 ein massiver Wohnraummangel droht.

Preisentwicklung von Mieten und Eigentum

Diese Entwicklung spiegelt sich in den Preisen wider, wie dem aktuellen RE/MAX Real Estate Future Index (RREFIX) zu entnehmen ist. Sind die Wohnungsmieten in Stadtzentren 2025 österreichweit im Schnitt um 5,2 Prozent gestiegen, erwartet man 2026 ein Plus von 4 Prozent. Im Vergleich dazu lag der Preisanstieg für Eigentumswohnungen letztes Jahr bei durchschnittlich 2 Prozent, während man für dieses Jahr mit einem Anstieg von 3,5 Prozent rechnet.

LeopoldQuartier, UBM Development
Das von UBM Development entwickelte LeopoldQuartier steht kurz vor der Fertigstellung und bringt 253 neugebaute, nachhaltige Wohnungen.

Im Bundesländervergleich werden die Immobilienpreise in diesem Jahr am stärksten in Wien, Niederösterreich und Tirol steigen. Die geringsten Zuwachsraten sind RE/MAX zufolge im Burgenland sowie in Salzburg zu erwarten.

Expertenrat: Bald kaufen!

Trotz der aktuell eher angestiegenen Kreditzinsen raten Immobilienexperten dazu, Kaufpläne nicht auf die lange Bank zu schieben. Bernhard Reikersdorfer, Managing Director von RE/MAX Austria, sieht für 2026 ein Zeitfenster für Käufer: „Das aktuelle Zinsniveau, das derzeit noch gute Angebot und die steigende Nachfrage lassen uns optimistisch ins Jahr 2026 blicken.“

LeopoldQuartier, UBM Development
UBM Development setzt im Wohnungsbau großteils auf Holz-Hybrid-Bauweise und erneurbare Energien.

Die Warnung der Branche ist jedoch deutlich: Da derzeit viel zu wenig neu gebaut wird, wird das Angebot in den Jahren 2027 und 2028 noch knapper werden. Die Folge werden spürbar steigende Preise sein. Thomas G. Winkler bringt es drastisch auf den Punkt: „Nie mehr wird eine Neubauwohnung so günstig sein wie heute“.

Wer also das nötige Eigenkapital zusammen bekommt, kann im aktuellen Marktumfeld noch fündig werden, bevor der prognostizierte Engpass die Preise in den kommenden Jahren weiter in die Höhe treibt. Und wem das gelingt, der hat dann wohl eine richtig gute Investition getätigt – auch das ist bei dieser Marktlage – ein Naturgesetz.

Fotos: Philipp Horak
Visualisierung: Squarebyte

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