Am norwegischen Nordpolarmeer entwarfen Henning Larsen Architects mit der Hasvik Schule weit mehr als ein einfaches Bildungsgebäude: Der Holzbau fungiert ebenso als integraler Bestandteil der rauen Natur wie als leuchtender Mittelpunkt der Gemeinschaft.
Viel weiter nördlich als nach Hasvik geht’s in Europa kaum mehr. Die norwegische Gemeinde liegt auf Sørøya, einer Insel am 70. nördlichen Breitengrad – und damit jenseits des arktischen Polarkreises. Nichtsdestotrotz trägt Sørøya den Beinamen „grüne Insel“, sorgt doch der Golfstrom hier in den Sommermonaten für üppige Vegetation, eine reiche Tierwelt und somit für ein Paradies für naturliebende Besucher.
Teil der Natur
Permanent leben in Hasvik, wohl wenig überraschend, nicht allzu viele Menschen. Gerade mal knapp 1.000 sind es in der gesamten Kommune. Tendenz sinkend. Und dennoch entsteht genau hier, am Rand Europas, ein architektonisches Projekt, das sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann: Die Nye Hasvik Skole, die Neue Hasvik Schule, entworfen von Henning Larsen Architects. Ein Projekt, das über den bloßen Bildungsauftrag einer Dorfschule hinausgeht, eine Verbindung zwischen moderner Pädagogik und der Historie des Ortes herstellt. Und nicht zuletzt das soziale Gefüge einer ganzen Gemeinschaft sichern soll.
Von der Multifunktionshalle über die Bibliothek bis zur Aula: Das Gebäude der Hasvik Schule steht allen offen.
Henning Larsen Architects zeigen mit ihrem Entwurf tiefen Respekt vor der Topografie der Insel. Man setzte nicht einfach einen Fremdkörper in die Landschaft, sondern passte die Struktur der Schule dem Gelände an. „Die Hasvik Schule ist so konzipiert, dass sie sich organisch in ihre Umgebung einfügt“, so das Studio. Das 1.500 Quadratmeter große Bildungsgebäude besteht aus einer Holzkonstruktion mit geneigten Gründächern, für die Fassade verwendete man recycelte Steinplatten aus der Region. Das Ergebnis: Das Gebäude verschmilzt gleichsam mit den Hügeln und Felsformationen der Gegend. Ein Konzept, mit dem das Architekturteam nicht nur Rücksicht auf die Natur, sondern auch auf lokale Materialien und Traditionen nimmt.
Lichtblick im Winter
Die Form des Gebäudes – sanft geneigt, mit organischen Dachlinien – schafft allerdings nicht nur einen harmonischen Übergang zur Landschaft, sondern bietet ganz praktische Vorteile: Schutz vor Wind und Witterung sowie thermische Effizienz. Holz spielt dabei eine entscheidende Rolle: Es bietet gute thermische Eigenschaften, ist langlebig – und stellt auch einen emotionalen Bezug zur Region dar.
Eine Region, in der nicht nur der Mensch, sondern auch die Sonne ein Außenseiterdasein führt. Sie steigt in Hasvik im Winter wochenlang nicht über den Horizont; künstliches Licht wird hier zu einem essenziellen Element – und zwar nicht nur der Ästhetik, sondern insbesondere der Psychologie.
Die Schule ist so konzipiert, dass sie sich organisch in die Umgebung einfügt.
Das Design zeugt von hohem Respekt vor der Natur und der Topographie.
Henning Larsen Architects haben die Hasvik Schule daher bewusst als „Laterne“ konzipiert, die weithin sichtbar ist. Besondere Aufmerksamkeit galt der Ausrichtung des Gebäudes: Zur Hauptstraße hin öffnet sich die Schule, ausladende Fensterflächen und kleinere Öffnungen in der Fassade sowie die transparente Gestaltung der Gemeinschaftsbereiche sorgen dafür, dass das warme Innenlicht außen weithin sichtbar ist. Das Gebäude wird so zu einem visuellen Orientierungspunkt, einem „Leuchtfeuer der Aktivität“, wie es die Architekten nennen.
Schutzraum für alle
Das funktionale Herzstück des Entwurfs ist jedoch der Schutz vor dem Wetter. Die Gebäudeform organisiert sich um einen zentralen Innenhof, der den rauen Winden trotzt und selbst an stürmischen Tagen einen geschützten Außenbereich bietet. Und das nicht nur für die Schülerinnen und Schüler.
Die großen Fensterfronten und viele kleinere Öffnungen in der Fassade machen aus der Schule eine Laterne in der rauen Umgebung.
Denn die Neue Hasvik Schule ist mehr als nur ein Schutzraum für Kinder. Henning Larsen Architects legten den Fokus auf ein offenes – beziehungsweise öffentliches – Gebäude, das Platz für alle bietet. Dementsprechend wurde es flexibel gestaltet. Mobile Wände und multifunktionale Räume ermöglichen es der Schule, sich nach Unterrichtsschluss zu einem Veranstaltungsort und einem Treffpunkt aller Altersgruppen zu wandeln. Helles Holz dominiert im Inneren und schafft eine warme Atmosphäre, die zum „Wohnzimmer“ der Gemeinde wird. Die Bibliothek, die multifunktionale Sporthalle und die Aula stehen allen Bewohnern offen.
„Die neue Schule ist ein wichtiger Bestandteil zur Schaffung eines lebendigen und unterstützenden Umfelds für Familien und Neuankömmlinge gleichermaßen“, so Henning Larsen abschließend. „Und sie stärkt Hasviks Rolle als dynamischer und einladender Ort. Zum Leben und zum Lernen.“
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